Umgang mit Demenz – validierende Kommunikation lernen
Statt die Realitaet zu korrigieren, das Gefuehl wahrnehmen. Validation nach Naomi Feil mit konkreten Beispielen fuer den Pflegealltag.
29. September 2026

Demenz veraendert nicht nur das Gedaechtnis, sondern auch die Wahrnehmung der Realitaet. Wer das versteht und seine Kommunikation anpasst, vermeidet Konflikte und erhaelt eine warme Beziehung – auch wenn die Person nicht mehr weiss, wer Sie sind.
Was bedeutet Validation?
Die Sozialarbeiterin Naomi Feil hat in den 1960er Jahren das Validations-Konzept entwickelt. Kernidee: die Realitaet eines Demenzkranken nicht korrigieren, sondern seine Gefuehle ernst nehmen. Wer sich seinem Gegenueber emotional zuwendet, oeffnet die Tuer fuer ein Gespraech, das beruhigt – auch wenn die sachlichen Aussagen falsch sind.
Ein typisches Beispiel
Frau M. (84, Alzheimer) sitzt am Fenster und sagt: Mein Mann muss jeden Moment heimkommen. Er ist seit dem Mittag nicht da. Ihr Ehemann ist vor 12 Jahren verstorben.
Die falsche Reaktion
Mama, dein Mann ist tot. Er ist 2014 gestorben. Diese Aussage ist faktisch korrekt – aber sie loest in Frau M. eine erneute Trauer aus, die sie wenige Minuten spaeter wieder vergessen wird. Sie erlebt den Verlust in jedem Wiederholungs-Moment neu.
Die validierende Reaktion
Du vermisst ihn. Erzaehl mir doch von ihm – was hat er besonders gern gemacht? Sie spiegeln das Gefuehl (Vermissen) und lenken auf positive Erinnerungen. Das beruhigt und gibt Wuerde.
Grundregeln der Validation
- Realitaet nicht korrigieren – das verstaerkt Verwirrung und Angst
- Gefuehle hinter Aussagen wahrnehmen (Sorge, Sehnsucht, Aerger)
- Mit kurzen Saetzen sprechen, ruhige Stimme, ausreichend Pausen
- Augenkontakt halten und sich auf Augenhoehe begeben
- Vertraute Themen aufgreifen (Familie, Beruf, Heimat)
- Koerpersprache beachten – Sie spiegeln, was Sie ausstrahlen
Was nicht hilft
- Belehren oder Erklaeren (Faktencheck)
- Diskutieren oder Streiten
- Drohen oder Druck (du musst jetzt aber)
- Hetzen, antreiben
- Sich abwenden, ignorieren
Bei aggressivem Verhalten
Wut und Aggression sind oft Reaktionen auf Ueberforderung, Schmerz oder Angst. Validation hilft auch hier: das Gefuehl benennen (Sie sind aergerlich – das verstehe ich, das ist auch schwer.), Raum geben, nicht widersprechen. Wenn die Situation eskaliert: Distanz, nicht Konfrontation. Spaeter, wenn die Person ruhiger ist, behutsam erneut Kontakt aufnehmen.
Auch fuer Angehoerige eine Entlastung
Validation klingt anstrengend – ist aber im Gegenteil entlastend. Wenn Sie aufhoeren, gegen die Demenz-Realitaet zu kaempfen, sparen Sie Energie. Sie sind weniger frustriert. Die Beziehung bleibt warm.
Unsere Pflegekraefte sind geschult
Demenz-Pflege ist anders als Standard-Pflege. Unsere Pflegekraefte in Grimmen und Stralsund nehmen regelmaessig an Demenz-Schulungen teil. In der Wohngemeinschaft am Sund ist Validation Teil der taeglichen Begleitung.