Pflege zuhause organisieren: Checkliste für die ersten 7 Tage
Wenn ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird, fehlt oft die Orientierung. Diese Checkliste zeigt Schritt für Schritt, was in der ersten Woche zu tun ist – von der Krankenhaus-Entlassung bis zum Pflegegrad-Antrag.
04. Juni 2026

Ein Schlaganfall, ein Sturz, eine Entlassung aus der Reha – und plötzlich braucht ein Angehöriger Pflege zu Hause. Die ersten Tage sind entscheidend: Anträge müssen gestellt, Pflegedienst gebucht, Wohnung angepasst werden. Diese Checkliste begleitet Sie durch die erste Woche – mit den wichtigsten Schritten in der richtigen Reihenfolge.
Tag 1–2: Sofortmaßnahmen nach der Diagnose
Sobald klar ist, dass Pflegebedarf besteht, geht es um eine geordnete Übergabe – ob aus dem Krankenhaus, der Reha oder einer ärztlichen Diagnose heraus.
- Sozialdienst des Krankenhauses kontaktieren: der Sozialdienst plant die Entlassung und kann Pflegedienst, Hilfsmittel und Antragsstellung anstoßen.
- Entlassungsbericht anfordern: enthält Diagnosen, Medikamente, Pflegebedarf – Grundlage für jede weitere Beantragung.
- Hausarzt informieren: Termin innerhalb der ersten Woche vereinbaren, damit die ambulante Versorgung nahtlos beginnt.
- Familien-Kommunikation: wer übernimmt welche Aufgabe? Eine klare Verteilung erspart später Konflikte.
Tag 3–4: Anträge laufen lassen
Mehrere Anträge müssen parallel auf den Weg gebracht werden, denn die Leistungsfristen laufen jeweils erst ab Antragstellung – nicht ab Pflegebeginn.
- Pflegegrad beantragen (§ 18 SGB XI): formlos bei der Pflegekasse – telefonisch, schriftlich oder online. Bei Krankenhaus-Entlassung gilt eine verkürzte MD-Begutachtung von 5 Arbeitstagen.
- Häusliche Krankenpflege (§ 37 SGB V): vom Hausarzt verordnen lassen für die ersten 4 Wochen, auch ohne Pflegegrad – etwa für Wundversorgung, Injektionen, Medikamentengabe.
- Hilfsmittel (Rollator, Toilettensitzerhöher, Pflegebett): Rezept vom Arzt + Antrag bei der Krankenkasse. Viele Hilfsmittel sind zuzahlungsfrei.
- Arbeitgeber informieren (falls Sie selbst pflegen): Pflegeunterstützungsgeld für bis zu 10 Tage akute Pflegezeit, danach Pflegezeit oder Familienpflegezeit prüfen.
Wichtig: Sammeln Sie ab Tag 1 alle Belege – Arztbriefe, Atteste, Quittungen für Hilfsmittel, Fahrtkosten. Diese werden später für Pflegegrad-Begutachtung und Steuererklärung gebraucht.
Tag 5–6: Wohnung anpassen und Pflegedienst auswählen
Jetzt geht es um die konkrete häusliche Versorgung. Zwei Schritte parallel:
Wohnumfeld inspizieren
Schauen Sie mit nüchternem Blick durch die Wohnung: Wo lauern Sturzgefahren? Wo passt der Rollator nicht durch? Wo fehlt ein Haltegriff? Die Pflegekasse zahlt bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme als Zuschuss zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI – darunter fallen:
- Haltegriffe in Bad und Toilette
- Türverbreiterungen für Rollstuhl
- Schwellen-Abbau
- Treppenlift
- Rampe vor Hauseingang
- rutschfeste Beläge im Bad
Achtung: Den Antrag immer vor dem Umbau stellen – nachträgliche Bewilligungen sind die Ausnahme.
Pflegedienst auswählen
Bei der Auswahl eines Pflegedienstes lohnt es sich, mehr als nur den nächstgelegenen Anbieter anzurufen. Fragen Sie:
- Welche Leistungen werden angeboten (Grundpflege, Behandlungspflege, Wundversorgung)?
- Wie schnell ist Pflegebeginn möglich?
- Wer ist mein fester Ansprechpartner bei Rückfragen?
- Welche Qualifikationen haben die Mitarbeiter (examinierte Pflegefachkräfte, Wundexperten)?
- Wie werden Sondereinsätze am Wochenende oder nachts abgerechnet?
Die Leistungen der Hansepflege-Ambulant im Detail – inklusive der Standorte Grimmen und Stralsund – finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
Tag 7: Übergabe, Routinen, erste Bilanz
Spätestens am Ende der ersten Woche sollte der Alltag eine Struktur bekommen.
- Pflegeplan erstellen: wer kommt wann, was ist wann zu erledigen (Medikamente, Mahlzeiten, Körperpflege)? Eine schriftliche Wochenübersicht hilft allen Beteiligten.
- Telefonliste an die Pinnwand: Hausarzt, Pflegedienst, Apotheke, Pflegekasse, Notruf. Im akuten Fall darf das Suchen nicht erst beginnen.
- Eigenkontrolle: wie geht es Ihnen als pflegender Angehöriger nach einer Woche? Schlafen Sie genug? Haben Sie noch Kontakt zu Freunden? Achten Sie früh auf Anzeichen für Überlastung.
Häufige Fehler in der ersten Woche
- Zu lange warten mit dem Antrag: jeder Tag ohne Antrag ist ein Tag ohne Leistungsanspruch.
- Wohnumfeld-Umbau vor Antrag starten: Pflegekasse zahlt nur, wenn Antrag VOR dem Umbau eingereicht wurde.
- Pflegedienst ohne Vergleich beauftragen: Leistungsumfang und Service variieren – ein zweites Gespräch lohnt sich.
- Alleinkämpfer-Modus: Familie, Nachbarschaft, Pflegestützpunkt – wer früh Hilfe organisiert, hält länger durch.
Hilfe vor Ort
Wir begleiten Pflegebeginn in Grimmen, Stralsund und im gesamten Vorpommern. Wenn Sie unsicher sind, wo Sie anfangen sollen: Unsere Pflegeberatung ist kostenfrei und an keinen Vertrag gebunden.