Moderne Wundversorgung zu Hause: was Pflegedienste leisten
Ulcus cruris, Dekubitus, diabetisches Fußsyndrom – chronische Wunden brauchen Erfahrung. Wir erklären, wie moderne Wundversorgung zu Hause funktioniert, wer sie durchführt und wer die Kosten trägt.
28. Mai 2026

Etwa eine Million Menschen über 40 leben in Deutschland mit chronischen Wunden. Ein offenes Bein, ein Druckgeschwür, ein nicht heilender diabetischer Fuß – das sind Beschwerden, die belasten, schmerzen und unbehandelt schwere Folgen haben. Die gute Nachricht: Moderne Wundversorgung im häuslichen Umfeld ist heute ein Standard, der von qualifizierten Pflegediensten geleistet wird, von der Krankenkasse bezahlt und in vielen Fällen zur Heilung führt.
Was sind chronische Wunden?
Per Definition gilt eine Wunde als chronisch, wenn sie nach acht Wochen trotz fachgerechter Behandlung noch nicht abgeheilt ist. Ursache ist meist eine zugrundeliegende Erkrankung – Diabetes, Durchblutungsstörung, Bettlägerigkeit – die den natürlichen Heilungsprozess unterbricht.
Die drei häufigsten chronischen Wunden in Deutschland:
- Ulcus cruris venosum (offenes Bein): betrifft etwa 620.000 Menschen, häufige Ursache: Krampfadern und Venenschwäche. Tritt meist am Unterschenkel auf.
- Diabetisches Fußsyndrom: ca. 355.000 Betroffene. Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen Nerven und Gefäße – kleine Verletzungen werden zur chronischen Wunde.
- Dekubitus (Druckgeschwür): ca. 220.000 Betroffene. Entsteht durch dauerhaften Druck auf Körperstellen, oft am Steißbein, an der Ferse oder am Schulterblatt – typisch für bettlägerige Pflegebedürftige.
Was bedeutet „moderne Wundversorgung“?
Bis in die 1990er-Jahre galt die trockene Wundversorgung mit Mullbinde als Standard. Heute wissen wir: Feuchte Wundheilung ist deutlich effektiver. Eine gleichmäßig feuchte Umgebung fördert die Zellteilung, lindert Schmerzen beim Verbandwechsel und reduziert Narbenbildung.
Die moderne Wundversorgung folgt einem strukturierten Konzept – oft das MOIST-Schema (Moisture balance, Oxygenation, Infection control, Support, Therapy) oder TIME (Tissue, Infection, Moisture, Edge). Dabei wird die Wunde in jeder Heilungsphase mit dem passenden Verband versorgt:
- Exsudationsphase: starke Wundabsonderung, wird mit Saugverbänden (Schaumstoff, Alginat, Hydrofaser) behandelt.
- Granulationsphase: rotes Gewebe wächst nach, feuchte Wundauflagen unterstützen die Zellteilung (Hydrokolloid).
- Epithelisierungsphase: Wunde schließt sich, dünne Schutzverbände reichen aus.
Welcher Verband im Einzelfall passt, entscheidet die Wundexpertin nach Inaugenscheinnahme – Wundgröße, Tiefe, Exsudatmenge und Infektionszeichen sind die Kriterien.
Wer darf Wundversorgung durchführen?
Seit Oktober 2022 gilt eine verschärfte Richtlinie der häuslichen Krankenpflege (HKP-Richtlinie). Für die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden müssen die durchführenden Pflegefachkräfte eine anerkannte Zusatzqualifikation nachweisen – mindestens 56 Unterrichtsstunden Weiterbildung in moderner Wundbehandlung.
Anerkannte Zertifikate sind:
- ICW-Wundexperte (Initiative Chronische Wunden)
- Wundtherapeut DGfW (Deutsche Gesellschaft für Wundheilung)
- Pflegeexperte für moderne Wundversorgung (AWM)
Bei der Auswahl eines Pflegedienstes für Wundversorgung fragen Sie immer nach der konkreten Qualifikation der einsetzenden Pflegekraft. Bei der Hansepflege-Ambulant arbeiten zertifizierte Wundexpertinnen, die regelmäßig Fortbildungen besuchen.
Wer trägt die Kosten?
Die Wundversorgung durch einen Pflegedienst läuft in den allermeisten Fällen über die Krankenkasse – nicht über die Pflegekasse. Die rechtliche Grundlage ist § 37 SGB V (Häusliche Krankenpflege). Der Ablauf:
- Der Hausarzt stellt eine Verordnung für „häusliche Krankenpflege – spezialisierte Wundversorgung“ aus.
- Der Pflegedienst reicht die Verordnung bei der Krankenkasse ein.
- Nach Genehmigung beginnt die Versorgung – wöchentlich mehrere Verbandwechsel, je nach Wundzustand.
- Die Krankenkasse zahlt direkt, für die Patienten fällt eine gesetzliche Zuzahlung an (10 Prozent der Kosten, mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro pro Tag, gedeckelt auf 28 Tage Jahresgrenze).
Wichtig: Verbandmaterial und Wundauflagen werden ebenfalls von der Krankenkasse übernommen – im Rahmen der ärztlich verordneten Therapie.
Wie läuft ein Verbandwechsel ab?
Ein professioneller Verbandwechsel zu Hause folgt einer klaren Routine:
- Händedesinfektion, sterile Handschuhe
- Alter Verband wird vorsichtig gelöst – bei Bedarf mit physiologischer Kochsalzlösung getränkt, um Anhaftungen zu lösen
- Wundreinigung (mechanisch oder mit antiseptischer Spüllösung)
- Inspektion: Größe, Farbe, Geruch, Exsudatmenge, Wundrand
- Auswahl und Anlegen des passenden Verbands
- Dokumentation: Foto, Maße, Wundzustand – in der Patientenakte
Die Dokumentation ist nicht nur Pflicht, sondern auch das wichtigste Kommunikationsmittel mit dem Hausarzt: Anhand der Verlaufsfotos kann der Arzt einschätzen, ob die Therapie wirkt oder angepasst werden muss.
Wann den Pflegedienst einschalten?
- Wenn eine Wunde nach 4 Wochen nicht abgeheilt ist
- Bei Anzeichen einer Infektion (Rötung, Schwellung, Erwärmung, Eiter, starker Geruch)
- Wenn die Wunde durch Bettlägerigkeit oder Diabetes verursacht wird
- Wenn Sie als pflegender Angehöriger unsicher sind, wie zu versorgen ist
Zögern Sie nicht zu lange – jede Woche frühere Behandlung verkürzt die Heilungsdauer messbar.
Wundversorgung in Grimmen und Stralsund
Unser Team versorgt chronische Wunden im häuslichen Umfeld – mit zertifizierten Wundexpertinnen, modernen Materialien und engem Austausch mit Ihrem Hausarzt. Wenn Ihr Hausarzt eine Verordnung ausgestellt hat oder Sie unsicher sind, ob eine Wundversorgung nötig ist: Sprechen Sie uns an.